Ausbruch aus dem Zoogefängnis

Immer wieder gelingt es Zootieren, aus ihren Käfigen und Gehegen auszubrechen. Vor allem Affen sind insofern sehr erfindungsreich. Allein in jüngerer Zeit gab es eine Vielzahl solcher Fälle. Der spektakulärste davon ereignete sich Anfang 2018 im Zoo von Paris, aus  dem  52 (!) Paviane entkamen. Davor waren aus dem Zoo Niederfischbach im Westerwald drei Berberaffen entflohen, wenig später aus dem Zoo Schwerin zwei Kapuzineraffen. Mitte des Jahres entkamen aus dem Zoo von Osnabrück zwei und aus dem von Münster drei Mantelaffen; aus dem Zoo Osnabrück entkam zudem ein Klammeraffe. Das Gros der Tiere wurde wieder eingefangen, einige aber blieben auf Dauer verschwunden. Auch wenn die betroffenen Zoos wortreich beteuerten, von den entflohenen Tieren gehe keine Gefahr für Menschen aus, ist dies keineswegs so: auch kleinere Affen können Menschen schwere Bißverletzungen zufügen. Im Übrigen laufen die entwichenen Tiere selbst große Gefahr, zu Schaden zu kommen: Kapuzineraffe SEPPL etwa wurde bei seinem Ausbruchsversuch aus dem Zoo Schwerin von einem Auto erfasst und dabei tödlich verletzt. Auch die Polizei ist schnell bei der Hand, aus Zoos entkommene Tiere zu erschießen. Aber selbst wenn die Tiere innerhalb  des Zoogeländes verbleiben, sind sie nicht sicher: Zoomitarbeiter machen sich nicht nur mit Fangnetzen und Betäubungsgewehren auf die Suche, sondern auch mit scharfen Waffen, wie jeder Zoo sie für derartige Fälle bereithält.

 

Anfang 2019 entkamen aus dem Tierpark Berlin die Kapuzineraffen OBI (17) und PHILIPPA (6). Erst nach fünf Tagen konnten sie in der Nachbarschaft des Zoos ausfindig gemacht und - unterkühlt und ausgehungert - wieder eingefangen werden. Weitere Nächte im Freien hätten sie wohl nicht überlebt.

 

„Tiere haben keine Vorstellung von Freiheit“

 

Zoobetreiber behaupten fortgesetzt, Tiere hätten „keine abstrakte Vorstellung davon, was Freiheit ist“ (Zoodirektor Dag Encke, Nürnberg), insofern würden sie auch nicht darunter leiden, ihr Leben in einem beengten Zookäfig zubringen zu müssen. Ersteres mag richtig sein, zweiteres ist es definitiv nicht.

 

Auch Menschen entwickeln eine abstrakte Vorstellung von Freiheit allenfalls im Zuge eines philosophischen Proseminars. Hinsichtlich des Empfindens von Unfreiheit kommt es darauf aber gar nicht an. Tatsächlich liegt das zentrale Problem der Gefangenhaltung von Wildtieren in Zoos - gerade jener Tiere, die in freier Wildbahn große Gebiete durchstreifen - im extrem beschränkten Platz, der ihnen zugestanden wird, sprich: in der konkret empfundenen Unfreiheit. Da sie auf dem engen Raum ihren artspezifischen Bewegungsimpulsen nicht oder nicht in ausreichendem Maße nachkommen können, werden sie psychisch krank: eine Vielzahl der in Zoos zu beobachtenden Verhaltensauffälligkeiten ist allein der räumlichen Enge zuzuschreiben, der sie ausgesetzt sind. Ob sie dabei als gedankliches Gegenmodell eine abstrakte Vorstellung von Freiheit haben oder nicht, ist völlig unerheblich: sie leiden unter der Unfreiheit, Daher auch ihr Drang, aus den Zookäfigen zu entweichen. (CG)

 

TIERBEFREIUNG '#103, Juli 2019